Zuhause für 25 Bewohnerinnen und Bewohner

Eine Gemeinde lernt Gebärdensprache

In wenigen Monaten eröffnet in Wallsee-Sindelburg (Bezirk Amstetten) die Einrichtung „Lebenswelt“. Um mit den gehörlosen und taubblinden Bewohnern dann auch reden zu können, lernt man in der Gemeinde jetzt Gebärdensprache.

40 Bewohner aus Wallsee und Umgebung besuchten bereits einen der drei Kurse, ein weiterer Kurs ist derzeit im Lauen. Hauptschullehrer Josef Steinberger besuchte den Kurs - jetzt redet er mit Händen. Er bestellt Kaffee und Kuchen in Gebärdensprache. Oft seien sie nach dem Kurs noch ins Wirtshaus gegangen, erzählt der Hauptschullehrer. „Das ist immer sehr lustig gewesen. Es war kein Zwang da, kein Druck da. Es war eine lockere Atmosphäre, jeder hat das spielerisch über die Bühne gebracht und wenn einmal ein Fehler passiert ist, war das kein Problem. Die anderen haben dann wohlwollend gelacht

Die Gebärdensprache ist jedoch nicht einfach, sagt Steinberger. „Ganz wichtig ist, dass man sich sehr, sehr konzentriert und die Mimik und Gestik einplant und dann vorwiegend auf den Mund schaut, wie das jetzt gesprochen wird.“ Auch der Wirt Ernst Grünling lernte bei den Stammtischrunden schon einige Gebärden. „Die Speisekarte und die Getränke sind die ersten Vokabeln, die ich gelernt habe. Und da lernt man immer wieder neue Vokabeln dazu.“

Zuhause für 25 Bewohnerinnen und Bewohner

Das Wohnheim und die Werkstätte für Gehörlose und Taubblinde mit zusätzlichen Einschränkungen wird mitten im Ort gebaut. Bis zu 25 Bewohnerinnen und Bewohner sollen hier ihr neues Zuhause finden. Nicht isoliert von der Außenwelt, sondern soweit es geht, sollen sie zum Beispiel selber einkaufen, oder eben auch auf einen Kaffee im Ort gehen können. Eine gemeinsame Sprache ist daher wichtig, sagt der Sprachneurologe Johannes Fellinger. Er führt in Oberösterreich bereits zwei solcher Einrichtungen. „Eine Einrichtung wie die Lebenswelt baut auf der Verwendung dieser Gebärdensprache auf. Alle müssen das immer verwenden. Dadurch kann der Gehörlose mit Behinderung teilhaben an dem, was gerade passiert. Wir haben gesehen, dass das die Leute stark macht und auch aufrichtet.“ServiceCenter ÖGS.barrierefrei

Auch in der Gemeinde sollen die Bewohner Aufgaben finden, sagt Bürgermeister Johann Bachinger. „Die können kommunale Tätigkeiten übernehmen. Zum Beispiel Pflege vom Marktplatz oder Blumenbeete pflegen“, so Bachinger. Und in Wallsee-Sindelburg ist man sich bewusst, dass ein paar wenige Gebärden schon bald viel ausmachen können.

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